Open Source, Self-Hosted, tragfähig – wie Splexit sich finanzieren will

Splexit ist Open Source und Self-Hosted. Aber wie wird daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell im deutschen Bildungssystem? Über Spagat, Medienzentren und warum Offenheit kein Widerspruch zu Wirtschaftlichkeit ist.

Eine offene Plattform für den Unterricht zu bauen ist das eine. Sie langfristig am Leben zu halten, das andere. Über den Spagat zwischen Open Source und Geschäftsmodell – und warum genau dieser Spagat im deutschen Bildungssystem der einzig gangbare Weg ist.

Wir werden oft gefragt: Wenn Splexit Open Source ist – wovon lebt ihr dann?

Die Frage ist berechtigt. Und sie verdient eine ehrliche Antwort, die über „wir finden schon einen Weg" hinausgeht. Denn das Geschäftsmodell einer Bildungsplattform ist keine Randnotiz. Es bestimmt, wem die Plattform am Ende dient. Und genau deshalb reden wir offen darüber.

Warum Open Source kein Hobby-Projekt bedeutet

Open Source heißt: Der Quellcode von Splexit ist einsehbar, prüfbar, veränderbar. Schulen, Bundesländer oder Bildungsträger können nachvollziehen, was die Software tut. Kein Black-Box-Prinzip, keine versteckten Datenflüsse, keine Überraschungen im Kleingedruckten.

Das ist im Bildungsbereich nicht nur nett, sondern zunehmend notwendig. Schulen stehen vor der Frage, welche digitale Infrastruktur sie sich ins Haus holen. Und je weiter immersive Technologien in den Unterricht vordringen, desto drängender wird die Frage: Wer hat die Kontrolle über das, was Schülerinnen und Schüler erleben?

Aber Open Source heißt nicht: Alles ist kostenlos und niemand verdient Geld. Es gibt genug Beispiele im Software-Markt, die zeigen, dass beides zusammengeht – offener Code und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Linux, WordPress, GitLab, Moodle, Nextcloud. Die Modelle unterscheiden sich im Detail, aber das Prinzip ist dasselbe: Der Kern ist offen. Die Wertschöpfung liegt in dem, was drumherum entsteht.

Was bei Splexit offen ist – und wo die Wertschöpfung liegt

Der Splexit-Client – also die Anwendung, die auf dem Headset oder Tablet läuft – ist Open Source. Genauso das Backend, das die Inhalte verwaltet und synchronisiert. Schulen können das System komplett selbst betreiben, auf eigenen Servern, im eigenen Netz, ohne Abhängigkeit von uns. Das ist kein Zugeständnis, das ist das Fundament.

Wo entsteht dann Wert, der sich auch wirtschaftlich tragen kann?

Gehostete Infrastruktur. Nicht jede Schule will oder kann einen eigenen Server betreiben. Für diese Fälle bietet Splexit eine gehostete Variante an – DSGVO-konform, auf europäischen Servern, wartungsfrei. Lehrkräfte melden sich an, legen eine Session an, fertig. Kein Docker, kein Kubernetes, kein IT-Admin nötig. Self-Hosted bleibt immer die Alternative. Aber wer Komfort will, bekommt ihn.

Kuratierte Inhalte und Templates. Die Plattform ist offen. Aber nicht jeder will jede Session von Grund auf selbst bauen. Deshalb plant Splexit einen Marktplatz für didaktisch aufbereitete Module und Session-Templates. Erstellt von Lehrkräften, Verlagen, Content-Creatorn, Museen – qualitätsgesichert, durchsuchbar, direkt einsetzbar. Der Marktplatz ist die Brücke zwischen „die Plattform kann alles" und „ich habe 15 Minuten Vorbereitungszeit."

Support, Schulungen, Integration. Schulen und Schulträger, die Splexit flächendeckend einsetzen wollen, brauchen mehr als eine App. Sie brauchen Onboarding, Fortbildungen, technische Integration in bestehende Systeme (LTI, Single Sign-On, Schulverwaltung). Das ist Dienstleistung. Und Dienstleistung hat einen Preis, den Bildungsträger kennen und budgetieren können.

Premium-Features für Institutionen. Bestimmte Funktionen – etwa erweiterte Analysewerkzeuge, mandantenfähige Verwaltung oder priorisierter Support – können als kostenpflichtiges Upgrade angeboten werden, ohne dass der Kern der Plattform eingeschränkt wird. Das Modell ist bekannt: Wer Splexit im Klassenzimmer nutzen will, kann das kostenlos. Wer es schulweit ausrollen will, profitiert von zusätzlichen Werkzeugen.

Warum dieser Spagat im Bildungssystem notwendig ist

Jetzt könnte man fragen: Warum nicht einfach ein klassisches SaaS-Modell? Abo pro Lehrkraft, fertig.

Die Antwort liegt in der Realität des deutschen Bildungssystems.

Schulen beschaffen anders als Unternehmen. Die Entscheidungswege sind lang, die Budgets fragmentiert, die Zuständigkeiten verteilt zwischen Schulträgern, Medienzentren, Landesinstituten und einzelnen Schulen. Was in einer Startup-Pitch-Deck-Welt als „Enterprise Sales" durchgeht, ist im Bildungsbereich ein Geflecht aus Förderprogrammen, Rahmenverträgen, Pilotprojekten und persönlichen Netzwerken.

In diesem Umfeld hat ein rein proprietäres Modell einen strukturellen Nachteil: Es verlangt Vertrauen, bevor es Einblick gewährt. Eine Schule soll zahlen, bevor sie weiß, was genau die Software mit den Daten ihrer Schülerinnen und Schüler macht. Ein Bundesland soll eine Rahmenvereinbarung abschließen, ohne den Code prüfen zu können.

Open Source dreht diese Logik um. Erst Transparenz, dann Entscheidung. Erst ausprobieren, dann skalieren. Und wer will, betreibt es selbst – ohne Vendor Lock-in, ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Das ist nicht nur ein technisches Argument. Es ist ein Beschaffungsargument. Und im öffentlichen Bildungsbereich ist das oft das entscheidende.

Gleichzeitig muss die Plattform wirtschaftlich tragfähig sein. Sonst stirbt sie. Eine Open-Source-Plattform, die nicht weiterentwickelt wird, weil kein Geschäftsmodell dahintersteht, hilft niemandem. Die Offenheit muss sich also verbinden mit einer klaren Wertschöpfung, die Schulen einen echten Gegenwert liefert – nicht durch künstliche Verknappung, sondern durch echten Service.

Medienzentren: Die Brillen sind schon da

Ein Aspekt, der in der XR-Bildungsdiskussion oft übersehen wird: Die Hardware-Frage löst sich gerade. Nicht durch Schulbudgets, sondern durch Medienzentren.

In vielen Regionen Deutschlands haben kommunale Medienzentren längst begonnen, Klassensätze von VR-Brillen anzuschaffen – Pico, Meta Quest und andere. Das Modell funktioniert wie bei Beamern oder Tablet-Koffern: Schulen leihen die Geräte für einen definierten Zeitraum, setzen sie im Unterricht ein und geben sie zurück.

Das bedeutet: Lehrkräfte, die mit immersiven Medien arbeiten wollen, müssen oft keine eigene Hardware beschaffen. Die Brillen sind da. Was fehlt, ist die Software darauf.

Und genau hier setzt Splexit an.

Unser Ziel ist es, dass Splexit auf den Headsets der Medienzentren vorinstalliert zur Verfügung steht. Nicht als optionaler Download, den jede Lehrkraft einzeln finden und installieren muss – sondern als Standard-App, die beim Ausleihen einfach da ist. Brille aufsetzen, Splexit starten, Session der Lehrkraft beitreten.

Warum ist das wichtig? Weil die größte Hürde für Lehrkräfte nicht die Didaktik ist und nicht die Bereitschaft. Die größte Hürde ist der erste Schritt. Wenn ich als Lehrkraft einen Klassensatz Brillen beim Medienzentrum bestelle und dann erst einmal recherchieren, installieren, konfigurieren und testen muss, bevor der Unterricht beginnen kann – dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich es genau einmal versuche und dann bleiben lasse.

Wenn Splexit dagegen einfach da ist – vorinstalliert, aktuell, sofort nutzbar – dann sinkt die Einstiegshürde auf ein Minimum. Dann reicht es, sich die App einmal anzuschauen, eine Session vorzubereiten und im Unterricht loszulegen.

Was das für Medienzentren bedeutet

Für Medienzentren, die gerade von Splexit erfahren, hier die kurze Version:

Splexit ist eine offene MR-Plattform, die es Lehrkräften ermöglicht, 3D-Inhalte, 360°-Panoramen und interaktive Module im Unterricht zu orchestrieren. Die Lehrkraft steuert die Session über ein Tablet, die Klasse folgt auf den Headsets – synchron, geführt, mit Blickkontakt, weil Mixed Reality den echten Raum erhält.

Die Software ist Open Source, DSGVO-konform, läuft offline im lokalen Netz und kann self-hosted betrieben werden. Es gibt keine versteckten Datenflüsse, kein Tracking, keine Nutzerprofile.

Was wir anstreben: eine Zusammenarbeit mit Medienzentren, bei der Splexit auf den verliehenen Headsets als Standard-Anwendung bereitsteht. Lehrkräfte müssen sich nicht um Installation kümmern. Medienzentren können ihren bestehenden Gerätepark mit einer didaktischen Plattform aufwerten, ohne selbst Inhalte erstellen zu müssen.

Wir befinden uns aktuell in der Machbarkeitsphase und suchen gezielt Medienzentren, die Interesse an einer Pilotierung haben. Der Aufwand auf eurer Seite: überschaubar. Der Mehrwert: Die Brillen, die ihr verleiht, werden von reiner Hardware zu einem einsatzbereiten Unterrichtswerkzeug.

Und am Ende: Warum es diesen Spagat braucht

Man könnte argumentieren, dass ein einfacheres Modell schneller zum Ziel führt. Proprietäre App, fester Preis, klare Kalkulation. Und ja, das wäre einfacher. Für uns.

Aber nicht für das Bildungssystem.

Schulen brauchen digitale Werkzeuge, die sie nicht in die nächste Abhängigkeit führen. Lehrkräfte brauchen Plattformen, denen sie vertrauen können – nicht weil ein Anbieter es verspricht, sondern weil der Code es beweist. Schulträger brauchen Lösungen, die sie verstehen, prüfen und im Zweifel selbst betreiben können. Und Schülerinnen und Schüler brauchen Lernumgebungen, die ihre Daten nicht zur Ware machen.

Gleichzeitig braucht eine Plattform wie Splexit Ressourcen. Entwicklung, Wartung, Support, Community-Arbeit, Qualitätssicherung – das kostet Geld. Und dieses Geld muss aus einem Modell kommen, das mit den Werten der Plattform vereinbar ist.

Der Spagat zwischen Open Source und Geschäftsmodell ist kein Kompromiss. Er ist die einzige Architektur, die im deutschen Bildungssystem langfristig funktionieren kann: Offen genug für Vertrauen und Kontrolle. Tragfähig genug für Weiterentwicklung und Qualität.

Wir machen das nicht, weil es der bequemste Weg ist. Wir machen es, weil es der richtige ist.


Splexit befindet sich aktuell in der geförderten Machbarkeitsphase. Wenn du als Lehrkraft einsteigen, als Medienzentrum zusammenarbeiten oder als Institution pilotieren willst – melde dich. Wir freuen uns über jede Stimme, die diesen Weg mitgestaltet.