IGP-Machbarkeitsstudie · Juli 2025 bis Juni 2026

Vom Tour-Werkzeug zum Unterrichtswerkzeug: Was die Machbarkeitsstudie ergeben hat

Die Machbarkeitsfrage

Lässt sich unsere Software für geführte XR-Stadtrundgänge zu einem Werkzeug für den Unterricht umbauen und in die digitale Infrastruktur von Schulen einfügen?

Schulklasse mit VR-Brillen in U-Form, im Vordergrund steuert eine Person die Session per Tablet.

Gefördert durch das BMWE

Die Machbarkeitsstudie wurde im IGP – Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert (Ausschreibungsrunde „Geschäftsmodelle und Pionierlösungen für besseres Lernen und Arbeiten").

Förderzeitraum: Juli 2025 bis Juni 2026

Die Antwort auf die Machbarkeitsfrage

  • machbar

    Technisch und inhaltlich

    Splexit lief im echten Unterricht in zwei Schulklassen. Eine Lehrkraft hat es sogar ganz allein eingesetzt, mit Leihbrillen ihres Medienzentrums.

  • nicht allein

    Wirtschaftlich

    Schulen allein können eine solche Plattform nicht finanzieren, auch nicht über Medienzentren. Splexit braucht zusätzlich Kunden außerhalb der Schule.

  • offen

    Strukturell

    Für Geräte, WLAN und Wartung ist an Schulen bisher niemand zuständig. Es hängt an engagierten Lehrkräften, die das freiwillig tun.

Was wir angenommen haben und was daraus wurde

Im Förderantrag (der Ideenskizze von 2024) haben wir beschrieben, wie Splexit in die Schulen kommen soll. Sieben zentrale Annahmen im Abgleich mit der Praxis. Hier geht es zur Originalskizze (PDF).

Thema Annahme vor der Studie Was wir vorgefunden haben Was wir daraus gemacht haben
Geschäftsmodell Account-Lizenzen auf Basis von (Schul-)E-Mail-Adressen, im Paket beziehbar, gestaffelt entweder nach Geräten, nach Nutzern oder nach Funktionen. Welche Variante im Bildungssystem trägt, sollte die Studie klären. Viele Schulen haben keine eigenen Klassensätze, die Geräte liegen überwiegend bei den Medienzentren und werden verliehen. Eine Lizenz an Geräte zu binden, hätte an der Realität vorbeigezielt. Die Studie hat die Frage beantwortet: Lizenziert wird nach Personen und Funktionsumfang, nicht nach Geräten. Funktionen gehen an Personen oder ganze Organisationen, unabhängig von der Gerätezahl. Eine Basisversion bleibt kostenlos. Preise
Zugang Markteintritt über die Medienzentren: Sie statten ihre Geräte mit Splexit aus und lizenzieren gebündelt für Schulen. Das Interesse sitzt bei Medienberatern, Fortbildnern und Medienzentren. Ein Lizenzgeschäft trägt sich über die Schulen allein aber nicht. Medienzentren und Schulen erhalten einen Organisationszugang und geben Splexit an ihre Lehrkräfte weiter. Mitfinanziert wird das über Einsätze außerhalb der Schule, etwa in Museen und Hochschulen.
Integration Splexit lässt sich einfach auf vorhandene Tablets und Brillen bringen, auch über das Portal eines Schul-XR-Anbieters. Schulgeräte werden zentral verwaltet. Apps kommen nur über offizielle Stores und die Geräteverwaltung darauf. Splexit ist in allen offiziellen Stores: für Tablets in App Store und Google Play, für Pico- und Quest-Brillen in den Business-Angeboten der Hersteller. Die IT installiert zentral.
Erstellung Lehrkräfte und Schüler erstellen ihre räumlichen Präsentationen selbst im Editor. Die meisten Lehrkräfte passen lieber fertige Inhalte an. Die engagierten wollten in den Workshops aber mehr und fragten immer wieder nach einem 3D-Editor, um Inhalte im Raum anzuordnen. Neu entstanden: ein webbasierter 3D-Raumeditor, in dem man Inhalte direkt im Raum verschiebt und anordnet.
Inhalte Ein Marktplatz steht von Anfang an. Inhalte liefern Verlage, Museen und Content-Partner. Lehrkräfte fragten nach Vorlagen und Bibliotheken mit fertigen Inhalten, die sie für ihre Stunde anpassen können. Erste Content-Partner arbeiten bereits mit uns. Ein Marktplatz muss nicht am Anfang stehen. Zuerst entsteht mit Partnern eine Bibliothek aus Vorlagen und anpassbaren Modulen.
Teilen Eine Community entsteht, in der Lehrkräfte und Schüler ihre Präsentationen schul- und fachübergreifend teilen. Geteilt wurde von Lehrkraft zu Lehrkraft, nicht über ein Portal: Aus dem Einsatz in Oberhausen entstand die Anfrage einer weiteren Schule. Weil Lizenzen an Personen und Organisationen gebunden sind, lassen sich Module innerhalb einer Einrichtung und zwischen einzelnen Nutzern teilen.
Offenheit XR-Lernangebote sind Insellösungen, gebunden an ein Gerät oder einen Anbieter. Im Studienjahr bestätigt: Ein Hersteller stieg aus dem Bildungsgeschäft aus, der größte deutsche Schul-XR-Anbieter ging in die Insolvenz. Der Kern von Splexit wird quelloffen und lässt sich selbst betreiben. Das erleichtert Einrichtungen die Entscheidung, weil sie nicht von uns abhängig werden. Zudem läuft Splexit auf Brillen verschiedener Hersteller und auf Tablets.

So sind wir vorgegangen

Statt einen fertigen Plan abzuarbeiten, haben wir in einer Schleife erprobt. Zwischen zwei Einsätzen lag jedes Mal ein Umbau der Software.

  1. Einsetzen in Workshops und im Unterricht
  2. Auswerten Gespräche, Feedback, Beobachtung
  3. Umbauen Software und Formate anpassen
  4. Wieder einsetzen mit dem nächsten Stand
  1. Nov. 2025Vorführung für 14 Lehrkräfte, München
  2. Feb. 2026Zweitägiger Workshop für Lehrkräfte, München
  3. Apr. 2026Workshop für 20 Beratungskräfte digitaler Bildung
  4. Apr. 2026Workshop im Stationsformat, Nürnberg
  5. Mai 2026Unterricht ohne uns, Klasse 9 und 11, Oberhausen
  6. Juni 2026Projekttag mit einer 10. Klasse, Wendelstein

Warum nur VR-Brillen: Tablets sind wichtig, damit Splexit überhaupt im Schulalltag ankommt. Erprobt haben wir aber bewusst nur mit Brillen. Der Mehrwert räumlichen Lernens entsteht erst, wenn man sich mit den Objekten im Raum bewegt. Am meisten begeistert haben die Mixed-Reality-Momente, in denen Inhalte im echten Klassenraum standen.

Die wichtigste Kurskorrektur: Die eingeplanten Pilotschulen mit eigener Ausstattung standen nicht zur Verfügung. Deshalb haben wir zuerst erhoben, wie es an Schulen tatsächlich aussieht, und die Software danach umgebaut. Begleitend: Gespräche mit 12 Organisationen und drei Interviews mit Lehrkräften.

Lizenzen für Personen, einsetzbar auf jedem Koffer

Die Frage aus der Praxis

Wie kommt Splexit auf meinen Koffer?

Einfacher als gedacht. Lizenziert wird weder der Koffer noch jede einzelne Brille, sondern die Person. Wie viele Brillen im Koffer liegen, spielt keine Rolle. Die App selbst ist kostenlos beziehbar und schnell installiert.

  • Die Einrichtung erhält einen Organisationszugang und nimmt ihre Lehrkräfte auf.
  • Die IT installiert die kostenlose App zentral auf allen Brillen, über die Business-Angebote von Pico und Meta.
  • Lehrkräfte leihen den Koffer und starten vom Tablet. Lernende brauchen kein eigenes Konto.
Geöffneter Transportkoffer mit acht Meta-Quest-Headsets in Schaumstoffeinsätzen.
Headset-Koffer des Medienzentrums Roth — 8 mal Meta Quest 3.
Splexit 3D-Editor am Walinarium: Wale, Infotafeln und Medienfolien in einer Unterwasser-Szene im Browser.
neu

3D-Raumeditor im Browser

Inhalte lassen sich jetzt direkt im Raum verschieben, drehen und anordnen, ohne 3D-Software und ohne Brille. Gewünscht haben ihn die Lehrkräfte, die in den Workshops am weitesten gegangen sind.

Folgt aus: Erstellung

Unabhängigkeit: Projekte lassen sich als Datei exportieren, alle Daten liegen auf europäischen Servern (zu Projektbeginn noch eine US-Cloud), und der Kern der Software wird quelloffen. Eine Einrichtung bleibt so unabhängig von uns.

Was strukturell notwendig ist und was noch fehlt

Ein XR-Einsatz kommt nur zustande, wenn sechs Dinge geklärt sind. Fehlt eines, fällt die Stunde aus. An Schulen ist dafür bisher niemand zuständig, weil XR in keinem Fach vorgesehen ist.

  1. Geräte

    Brillen sind verfügbar, möglichst ein einheitliches Modell.

  2. Verwaltung

    Jemand darf neue Apps freigeben und das WLAN einstellen.

  3. Installation

    Die App lässt sich aus dem offiziellen Store installieren.

  4. Netz

    Ein eigenes WLAN, unabhängig vom Schulnetz und seiner Firewall.

  5. Zuständigkeit

    Eine benannte Person lädt, aktualisiert und setzt zurück.

  6. Inhalte

    Fertige Inhalte, die zum Lehrplan passen.

Wer an einer Schule mitziehen muss

  • Schulleitung

    Gibt Freiraum und Budget, als dauerhafte Zuständigkeit statt einmaliger Bewilligung.

  • Treibende Person

    Schiebt an und darf über Geräte und Einsätze tatsächlich entscheiden.

  • Didaktik

    Klärt, wo der Einsatz im Fachcurriculum sitzt und was er mehr kann als Tafel und Arbeitsblatt.

  • Stundenplan

    Erlaubt mehrere Einsätze. Ein einzelner Projekttag reicht nicht, um mit der Technik vertraut zu werden.

Was noch fehlt

Bei uns

  • offenInhalte einmal laden und im Koffer-WLAN an alle Brillen weiterreichen.
  • offenMit Content-Partnern eine Bibliothek aus Vorlagen und Modulen aufbauen, die zum Lehrplan passen.
  • offenDen Einsatz mit Tablets erproben. Sie sind an vielen Schulen schon vorhanden und öffnen den Zugang, die volle räumliche Wirkung bleibt aber der Brille vorbehalten.
  • offenDie Brillen-App zusätzlich im Horizon Store für Privatnutzer anbieten.

Im Schulsystem

  • ausbaufähigEine feste Zuständigkeit für Geräte, WLAN und Wartung, statt freiwilligem Engagement einzelner Lehrkräfte.
  • ausbaufähigFortbildung über Multiplikatoren, mit Honorarbudget und Material, das ohne Anbieter im Raum funktioniert.
  • ausbaufähigGeräte, die dauerhaft verfügbar sind, statt einmal im Schuljahr über ein Antragsverfahren.

Hinweis für Förderprogramme: Ein zwölfmonatiger Förderzeitraum, der quer zum Schuljahr liegt, begrenzt, was sich an Schulen erproben lässt. Die Planung der Schulen stand vor Projektbeginn fest, das zweite Halbjahr ist von Prüfungen geprägt.

Sie planen XR in Ihrer Einrichtung?

In 30 Minuten gehen wir Ihr Vorhaben anhand der sechs Voraussetzungen durch. Auf Wunsch vermitteln wir den Kontakt zu einer Lehrkraft, die es schon gemacht hat.

Arbeitshilfen aus der Studie, anbieterunabhängig

11 FragenBetriebscheck
  1. Was kann das Thema im Raum, was es analog nicht kann?
  2. Geräte dauerhaft verfügbar? Ein Modell pro Koffer?
  3. Wer lädt, aktualisiert, setzt zurück?
  4. Wer darf Apps freigeben und Netze einstellen?
  5. Über Store und Geräteverwaltung installierbar?
  6. Eigenes lokales Netz für alle Geräte?
  7. Inhalte vorab auf jedem Gerät?
  8. Zwei Stunden Aufbau, mehr als eine Stunde im Plan?
  9. Höchstens 20 bis 30 Minuten in der Brille?
  10. Sieht die Lehrkraft, was die Klasse sieht?
  11. Ohne Konten für Lernende? Einwilligungen?
7 EigenschaftenAnforderungsprofil
  1. Läuft ohne Internet
  2. Lernende ohne Konto
  3. Headset und Tablet, dieselben Inhalte
  4. Installierbar über Store und Geräteverwaltung
  5. Verwaltungsebene für Einrichtungen
  6. Exportierbare, offene Formate
  7. Quelloffener, selbst betreibbarer Kern
4 EmpfehlungenBeschaffung
  1. Verlässlichkeit vor Preis
  2. Koffer nicht auf eine Anwendung festlegen
  3. Laufende Kosten und offene Geräteverwaltung ausschreiben
  4. Store-Verfügbarkeit als Kriterium
4 PrinzipienFortbildung
  1. Erlebnis vor Erklärung
  2. Mini-Aufgaben statt offener Kreativität
  3. Ein Thema statt fünf Demos
  4. Zweierteams